Anders digital vernetzt.

Im Quäker Nachbarschafsheim e.V. in Köln überlegen wir uns seit einiger Zeit, wie wir uns abseits der kommerziellen und etablierten Netzwerke, digital mit unserer Nachbarschaft vernetzen können.

Grundsätze die uns in unser analogen Arbeit wichtig sind, zählen für uns auch in der digitalen Arbeit.

Wir würden es nicht tolerieren, wenn jemand mit Kamera, Tonbandgerät und Notizblock vor unseren Türen steht und ständig, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche genau protokollieren würde, wer unser Bürgerzentrum betritt und verlässt. Erst recht ist in unserem Haus das Protokollieren der Anwesenheit unserer Besucher und deren Interessen für Ausstehende streng untersagt.

Facebook & Co (und dazu gehört auch nebenan.de) tun aber genau dieses, sie protokollieren diese Vorgänge und werten sie für ihre Geschäfte aus. Trotz all ihren praktischen Funktionen sind solche Portale aus diesem Grund für unsere offene Nachbarschaftsarbeit nicht akzeptabel, bzw. nur temporär in geringem Maße vertretbar.

Wir testen deshalb andere Möglichkeiten, um uns zu vernetzen und betreten dabei Neuland. Wir sind dabei, eigene Server mit Open Source Software zu installieren, die sich mit anderen Servern, in Netzwerken mit dezentraler Struktur, verbinden. So werden wir Herr über eine Insel, die, wenn wir es denn wollen, aber sehr wohl Verbindungen zu dem Rest der Welt unterhält. Für unser Insel und die hier anfallenden Mitglieder- und Netzwerkdaten übernehmen wir Verantwortung. Wir können so den Besuchern des Bürgerzentrums vorleben und schließlich vermitteln, wie man selber wieder Kontrolle über seine Daten erlangt. Denn neben dem Betreiben von eigener Hardwaretechnik, besteht der anstehende Prozess vor allen Dingen aus Wissensvermittlung.

Es wird ein langer und sicher auch mühsamer Lernprozess sein, denn viele in unserer Gesellschaft haben sich in den letzten Jahren zwar immer mehr digital vernetzt, aber die zu Grunde liegenden Strukturen vernachlässigt. Viele sind gefangen in abgeschlossenen Netzwerken und fast ohnmächtig und achselzuckend den Kräften des Marktes ergeben.

Der Lernprozess wird bei den Mitarbeitern unseres Hauses anfangen. Wenn diese, die neue Software beherrschen, wird eine Vermittlung gegenüber Interessierten gut möglich sein, weil gute Argumente überzeugen können. Mit so gewonnenen Multiplikatoren hoffen wir uns in den nächsten Jahren Schritt für Schritt von den kommerziellen und etablierten Netzwerken unabhängig zu machen. Gleichseitig könnten wir Impulse für eine offene und freie digitale Gesellschaft geben.

Jedes Nachbarschaftsheim, Bürgerzentrum oder auch Veedel Verein ist eingeladen, sich an diesem Prozess zu beteiligen.

Wir sind sehr an einem Austausch interessiert.